Gregor Joseph Werner


*28. Jänner 1693 Ybbs/Donau,  + 3. März 1766 Eisenstadt

Werner wurde als Sohn eines Tischlermeisters in Ybbs/Donau geboren. Sein Vater ist 1704 gestorben. Er kam mit 11 Jahren in ein Stiftsgymnasium (wahrscheinlich Melk), wo er etwa um 1712 oder 1713 die Reifeprüfung ablegte. Dann wird ein Theologiestudium im Kloster Melk angenommen. Über sein weiterer Lebensweg ist nichts Genaues bekannt. Man vermutet, dass er 1716 den Posten des vakanten Stiftsorganisten in Melk bekleidete. Es wird angenommen dass er in diese Zeit eine gediegene Ausbildung bei einem großen Meister (etwa J.J. Fux, 1660-1741, kaiserlicher Hofkapellmeister ion Wien ) erhalten hat und eine längere Zeit in Süddeutschland verbracht hat. Seine spätere Verbindung zum Musikverlag und zur Druckerei Johann Jakob Lotters seel. Erben in Augsburg ist auffällig.

Genaueres wissen wir erst wieder ab seiner Verehelichung am 27. Jänner 1727 mit Anna Christina Busch, geb 1704 in Duderstadt bei Göttingen.  Sie war schon im Alter von vier Jahren Halbwaise geworden.  In einem Buch aus dem Besitz des Meisters, welches die Werke "Gradus ad Parnassum" von Johann Joseph Fux und "Academia musico-poetica" von Franz Xaver Murschhauser enthält, finden sich seine genealogischen Eintragungen. Er heiratete in der gleichen Kirche wie Joseph Haydn. Die Eintragung lautet:" Anno 1727 den 27 Januario bin ich Gregorius Joseph Werner mit meiner Consortin Anna Christina Wernerin Zu Wienn bey St. Stephan frue um 6 Uhr Copuliert worden."

Ab 10. Mai 1728 war Werner Hofkapellmeister beim Fürsten Esterházy in Eisenstadt. Er fand hier Gelegenheit durch fast vier Jahrzehnte seine Fähigkeiten als Dirigent und als Komponisten mit dem Hauptschwerpunkt der Kirchenmusik zu entfalten.
Sowohl Werner , wie auch seine Dienstgeber scheinen tiefgläubig katholisch gewesen zu sein. Sein Hauptwerk besteht fast nur aus geistlicher Musik ( 50 Messen, Motetten, Kirchensonaten  durchkomponierte Vespern, Hymnen, eine Vielzahl marianischer Antiphone, Te Deums, Litaneien, Karfreitasoratorien , Oratorien ( z.B. "Adam" (1749), "Job" (1748), "Der verlorene Sohn"( 1747), "Absalon" (1743), "Holoferne" (1747) und "Ester" (1746). Zu den weltlichen Werken gehören die "Symphonie sex senaeque Sonatae" (1735), erschienen bei Doblingers" Diletto Musicale", der "Instrumentalkalender" (Beschreibung der 12 Monate mit musikalischen Mitteln), "Wienerischer Tandlmarkt" und die "Bauern-Richters-Wahl", ein Violoncello-Konzert (neu verlegt bei N. Simrock, Hamburg  -  London, Elite Edition.
1761 wurde Joseph Haydn Vizekapellmeister und 1762 wurde vom Fürsten Nikolaus dem Prächtigen der Musikbetrieb neu organisiert. Das Kirchenensemble stand weiter unter der Leitung von Werner, Haydn betreute die Kammermusik , die ab 1763 auch Opernaufführungen bestritt.
Das Verhältnis der beiden Künstler ist nicht ganz reibungslos und läßt sich durch den großen Altersunterschied (39 Jahre) und durch den unterschiedlichen musikalischen Stil erklären. Werner ist dem ausgehenden Barock verhaftet, während Haydn neue "Moden" einführte ( so z.B in den Messkompositionen, wo Werner streng nach alter Schule (Fux) komponiert, während Haydn z.B. in der "Missa Brevis in F", der Jugendmesse oder  in der "Missa brevis in B" - kleine Orgel-Solo-Messe den Text ineinanderschachtelt. Haydn hat jedoch Werner stets höchsten Respekt entgegengebracht und hat  z.B. Werke seines Vorgängers neu herausgebracht. (z.B. VI Fugen in Quartetten auf zwey Violin, Viola, und Violonzell G:J: Werner Weyland Kapelmeiser S.D. des Fürsten N. Esterhazy &.&. Aus besonderer Achtung gegen diesen berühmten Meister nun herausgegeben von dessen Nachfolger J. Haydn, Wien, Artaria,[1804].
Werner hatte 4 Kinder:
                 Anton Joseph Joh. Nepomuk, geb. 1731, Organist in Villach
                 Joseph Philip, 1732 - 1738
                 Johann Nepomuk Paul, 1734-1799, Zisterzienser in Zwettl.
                 Maria Anna Elisabeth, geb. 1736 - ?
Seine Gattin stirbt 1753 in Eisenstadt.
Gregor Joseph Werner stirbt am 3. März 1766 in Eisenstadt.
Seine von ihm selbst verfaßte Grabinschrift lautet:
 

Epitaphium

Hier liegt ein Chor-Regent, der ein groß Fürsten-Haus sehr viele Jahr bedient,
nun ist die Musik aus.
Er hatte große Plag mit Creuzl und B-moll,
wust endlich nicht, wie, wo Ers resolvieren soll,
Bis Er die Kunst erlernt, nur in Geduld zu sein,
alsdann gab Er sich willig und ganz bereit darein.
Dich aber großer Gott!
bitt Er in höchster Noth,
Du wollst die Dissonanzen ,
Von ihm gesetzt zu grey,
Verkehrn in Consonanzen
Durch seine Buß und Reu.
Weil er die letzt Cadenz sodann ins Grab gemacht,
Ist folglich all sein Müh zum guten Schluß gebracht.
O Heiland, nehm ihn auf zu deinem Himmels-Chor,
den nie ein Aug gesehn, noch ghört ein menschlich Ohr,
Wann dann die groß Posaunen
wird rufen zum Gericht,
Mit aller Welt Erstaunen
alsdann verdamm ihn nicht.
Dich aber frommer Wandersmann,
Ruff ich um ein Gebettlein an.
Literatur:
Peter Erhart: Niederösterreichische Komponisten, Doblinger ISBN 3-900695-41-5
Oskar Pausch: Die Herkunft Gregor Joseph Werners
Richard Moser: Gregor Joseph Werner,  Singende Kirche
Joseph Haydn in seiner Zeit- Ausstellungskatalog 1982, Eisenstadt
Herausgeber im Internet:  Franz Drucker     drucker@gmx.at
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