Roy „Chicky“ Arad

 

Die Eule / Roy Chicky Arad

Trans: Jan Eike Dunkhase

 

 

 

Vom gelben Sand

bringt sie den Falken den Tod,

läßt sie das Antlitz der Vipern erbleichen,

            die Steineule.

Ich habe alles gesehen,

noch nichts habe ich gesehen –

die Steineule.

 

Bei jedem Schritt,

Werbung für R.C. Cola –

um die Ohrläppchen

            israelischer Rap aus dem Ansage-System,

 

            - die Steineule.

 

Sie beißt zu und hebt ab,

zerschmettert und steigt auf,

            die Eule

gebrannt vom Wüstenwind,

juwelengleich vom Sand der Dunkelheit

            die Eule,

 

die erste israelische Eule,

schwingt die Flügel in tiefsten Kellern.

Und auf ihr ein Mann in einem schrillen amerikanischen Hemd.

Seht!

Seht!

 

            (zehn Jahre zuvor)

Ein Himmel blau wie ein T-Shirt.

Dies ist die Steppe des Übergangs,

der Ort, wo das Einkaufszentrum des Negev errichtet wird,

man raubt Knochen.

 

Und ein Theodolit schweizerischer Herkunft,

sein Zorn ein Kristall und seine Pfeile Metall,

klingelt zu der Eule Hever vom Stamme Hets.

 

Und der Vermessungsassistent, Yossi,

und die Koalition der Stadt Beer Sheva.

  Und ich und Nirush!

  Und die Eule!

  Ich und die Eule!

Erez Vermessungen GmbH!

Erez Vermessungen GmbH!

 

            In ihrem Arm der Wurfspieß

            er schneidet, durchsticht.

                                                           Die Eule

 

Tochter von Anat

Tochter der Erde, Tochter des Mondes.

                                                           Die Eule.

 

Beer Sheva zu

Beginn der Neunziger Jahre,

und in der früheren Steppe

breitet sie ihre Flügel

aus Bronze und Mörtel aus

und zieht langsam ihr Schwert.

Was nützen mir nun

            Eule und Liebe?

Und dann das Einkaufszentrum,

drei Stockwerke, in achteckigem und gewelltem Muster, und die Restaurantetage,

vergilbt von Staub,

der Höhe nach 95 Ellen,

eingehüllt in erkalteten Marmor.

Und die Leute mit ihren Schwertern,

neben dem „Pikansin“,

gegenüber dem „I.M.P“.

Neben dem Haufen oranger Kleidung ist der „Fox-Man“-Laden,

und die Verkäuferin des „Fox-Man“,

ein hübsches Mädchen mit Kaugummi von zwei und einem halben Dutzend Jahren,

ihr Gesicht durchwühlt, zerfressen, grün-blau, feuerstrahlend,

ihr Herz zerfressen,

von Lust und Gier.

(Auf ihrer Brust ein sommersprossiges Hemd, das nie in Mode kommen wird, komme was wolle)

Und durch den Raum des Einkaufszentrums

schreit erregt die Eule,

gleich dem Schrei einer Fackel,

            ich bin unsterblich,

                        ich bin der King Kong der Wüste

                                    der Godzilla des Negev

                                                           der Golem des Einkaufszentrums des Negev.

 

Ihr Großvater?

            Baal.

Ihre Großmutter?

            Eine kanadische Immobilienmaklerin jüdischer Herkunft.

Und die Einkäufer versammeln sich,

sie stampfen mit den gleichgültigen Tüten,

durch die Neon-Korridore,

die Resopal-Passage.

Und der Fotograf der Lokalzeitung läßt es blitzen,

                        und der Sicherheitsmann, mutig und stolz

(hat schon in Afghanistan gekämpft, eine Lau-Rakete hat seine Nase

gepudert),

                        zieht seine Pistole,

schielt hinüber zum „Fox-Man“-Mädchen, dem Fuchsmenschen-Mädchen.

Und die Eule, der kühle, schweigende Fels,

ist erschöpft, ihre Augen sind trocken heute,

ihr Flügelschlag vergoldet

ihre Federn kreolisch rein,

sie lächelt.

 

Lenke das Feuer und friß das Einkaufszentrum und seine Kinder,

vertilge die Ware des „Fox-Man“,

den Stier der Burger-Ranch.

 

Ich habe alles gesehen?

Noch nichts habe ich gesehen

                        die Eule.

 

Wer wird sie wieder verbergen, die Steineule, die Feuereule?

Was habe ich gesündigt an dieser gräßlichen Welt?

 

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Einkaufszentrumsnation - verflucht bei der Eule

Ein Mensch - verflucht bei der Eule

            Eine Eule - verflucht bei ihrem Lächeln.

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