Preis des Friedens

 

Welcher der Sterblichen war des grausamen Schwertes Erfinder?
    Wahrlich ein eisernes Herz trug der Barbar in der Brust!
Mord begann nun im Menschengeschlecht, es begannen die Schlachten,
    Und du, gräßlicher Tod, hattest nun kürzeren Weg.
Doch was fluch ich dem Armen? Wir kehrten zum eignen Verderben,
    Was er gegen die Wut reißender Tiere nur bot.
Gold! die danken wir dies! denn damals gab es nicht Kriege,
    Als noch ein buchener Kelch stand vor dem heiligen Mahl.
Keine Veste noch war, kein Wall! Es pflegte des Schlummers
    Sorglos unter den buntwolligen Schafen der Hirt.
Hätt' ich damals gelebt! dann kennt' ich nicht Waffen des Volkes,
    Nicht der Trompete Getön hört' ich mit klopfender Brust,
Aber nun reißt man mich fort in den Krieg, und einer der Feinde
    Trägt wohl schon das Geschoß, das mir die Seite durchbohrt.
Häusliche Laren, beschützt mich, ihr habt mich gepflegt und erhalten,
    Als ich, ein munteres Kind, euch vor den Füßen noch sprang.
Kränk' es euch nicht, daß ihr aus alterndem Holze geformt seid;
    So beherbergte vorlängst hier euch im Hause der Ahn.
Damals gab es noch Treu und Glauben, als, ärmlichen Schmuckes,
    Unter dem niedrigen Dach wohnte der hölzerne Gott.
Ihn versöhnte man leicht, man durft' ihm die Traube nur weihen
    Oder den Ährenkranz winden ins heilige Haar.
Und wer Erhörung fand, der brachte selber den Kuchen,
    Reinlichen Honigwein trug ihm das Töchterchen nach.
- Götter, verschont mich mit ehrnem Geschoß! und zum ländlichen Opfer
    Fall euch ein Schweinchen aus vollwimmelndem Stalle dafür.
Ihm dann folg ich im weißen Gewand, und myrtenumflochtne
    Körbe dann trag ich, das Haar selber mit Myrte bekränzt.
So gefiel' ich euch gern! Ein andrer sei tapfer in Waffen,
    Strecke, mit günstigem Mars, feindliche Führer in Staub,
Daß er beim Trunke nachher mir seine Taten erzähle
    Und das Lager dabei zeichne mit Wein auf den Tisch.
Welche Wut, durch Kriege den dunkelen Tod zu berufen!
    Droht er doch immer und hebt leise den nahenden Fuß.
Drunten ist keine grünende Saat, kein Hügel mit Reben,
    Cerberus nur und des Styx scheußlicher Schiffer sind dort,
Und es irret, verzehrt die Wange, versenget die Locken,
    Traurig die bleiche Schar hier zu dem düsteren Pfuhl.
O glückselig zu preisen ist der, den unter den Kindern
    Sanft im Hüttchen von Stroh müßiges Alter beschleicht!
Selber treibt er die Schafe hinaus und das Söhnchen die Lämmer;
    Und dem Ermüdeten wärmt Wasser zum Bade die Frau.
Wäre doch dies mein Los! und dürfte einst grauen mein Haupthaar
    Und erzählt' ich als Greis Taten vergangener Zeit!
Friede bestell' indessen die Flur. Du, Göttin des Friedens,
    Führtest, o heitre, zuerst pflügende Farren im Joch.
Reben erzog der Friede, den Nektar der Traube verwahrt' er,
    Daß noch der Sohn sich am Wein freuet aus Vaters Geschirr.
Pflugschar glänzet im Frieden und Karst, wenn des grausamen Kriegers
    Jammergeräte der Rost hinten im Winkel verzehrt.
Weib und Kinderchen führet der Landmann, selig vom Weine,
    Auf dem Wagen zurück von dem geheiligten Hain.
Nun entbrennen die Kriege Verliebter; das Mädchen bejammert
    Sein zerrissenes Haar, seine zerbrochene Tür,
Weint, daß die liebliche Wang' ihm der Jüngling schlug, und der Sieger
    Weint, daß die Faust sinnlos solch ein Verbrechen vermocht!
Aber Cupido, der Schalk, leiht bittere Worte dem Zanke,
    Während gelassen er sitzt zwischen dem zürnenden Paar.
Wahrlich, von Eisen und Stein ist der Unmensch, welcher sein Mädchen
    Schlägt in der Wut! der reißt Götter vom Himmel herab!
Ist's nicht genug, ihr am Leibe das zarte Gewand zu zerreißen?
    Nicht, daß du tölpisch des Haars schöne Geflechte zerstörst?
Siehe, sie weint! - was wolltest du mehr? o glücklich, für welchen,
    Wenn er zürnt und tobt, Tränen das Mädchen noch hat!
Aber wess' Hand sich grausam vergreift, mag Schild nur und Stange
    Tragen und ewig fern Venus, der gütigen, sein!
Komm, o heiliger Friede, die Ähre haltend in Händen,
    Und dir regne das Obst reich aus dem glänzenden Schoß!


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Last update: 01-07-1999
© Helmut Schulze, 1999


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