Der Feldgott

 

Hört, ihr Jungen, dies Feld und das Meierhöfchen im Moorgrund,
Leicht mit Röhrig gedeckt, mit geflochtenen Binsen und Riedgras,
Wurde gesegnet von mir, den ein ländliches Beil aus der Eiche
Trockenem Stamme geformt, und ich denk es noch ferner zu segnen.
Denn die Besitzer des ärmlichen Hüttleins, Vater und Sohn, sind
Meine Verehrer und grüßen mich Gott nach Würden; der eine
Ist gar eiferig immer bedacht, von meiner Kapelle
Weg die Dornen und wildes Gekräute zu räumen, der andre
Bringt mit reichlicher Hand mir beständig kleine Geschenke.
Mein ist das erste Kränzchen der Flur im blühenden Frühjahr;
Zart noch werden mir Ähren mit grünlichen Spitzen gewidmet,
Mir der geliebte Mohn und mir die goldne Viole,
Bläßliche Kürbisse dann und lieblich duftende Quitten,
Purpurtrauben, gereift in schützender Blätter Umschattung.
Oft auch pflegt mir diesen Altar ein bärtiges Böcklein
(Dies im Vertrauen gesagt) und ein Zicklein blutig zu färben.
Ehrt man so den Priapus, so muß er für alles auch einstehn,
Muß er des Herrn Weinberg und muß ihm das Gärtchen beschützen.
Hier mutwillige Knaben, enthaltet euch also des Stehlens!
Nächst hier an ist ein Reicher und steht ein Priap, der nicht aufpaßt.
Nehmt euch dort was; dann mögt ihr den Fußsteig wieder zurückgehn.

 


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Last update: 29-06-1999
© Helmut Schulze, 1999


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