Die Geschichte von Mettmenstetten

von Martin Sykora

Über die Frühgeschichte von Mettmenstetten ist relativ wenig bekannt. Vor allem die etwa 4000 Jahre alte und vierzig Meter lange, gerade ausgerichtete Reihe von bis zu einem Meter hohen Megalithen auf der Ostseite des Hombergs stellt Archäologen weltweit vor ein Rätsel. Die erste nachweisbare Siedlung entdeckte man 1911, als man am Türlersee Reste von Pfahlbauten fand.

Mettmenstetten wird erstmals im Jahre 998 erwähnt, als Papst Gregor V. dem Kloster Pfeffers (heute Pfäfers SG) den Besitz einer Kirche mit Pfarrei in Metmonsteten bestätigte. Jedoch ist diese Urkunde nur in einer Abschrift aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Am 26. Januar 1116 beurkundete Papst Paschalis II. dem Klosters Pfeffers (Pfäfers) den Besitz einer Hofstatt bei der Kirche von Metemunstat. Die fünf heutigen Ortsteile von Mettmenstetten hatten vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert klerikal enge, politisch aber nur lose Verbindungen, so z.B. bei der Feuerbekämpfung und Hilfeleistungen in Notzeiten.

Auch über die Herkunft des Ortsnamens finden sich nur Vermutungen. Mittelalterliche Amstschreiber und Chronisten verwendeten Namen wie Mettmonsteten, Metamonstetten oder Methemonstettin, was vermuten lässt, dass es sich bei der Ortsbezeichnung um die Hofstätte (-stetten") eines alemannischen Siedlers namens Metamon oder Metemun gehandelt haben könnte. Eher wahrscheinlicher scheint die Erklärung, die Ansiedelung der oben erwähnten Kirche sei als Stätte der Mitte zwischen zwei Orten bezeichnet worde. Dabei könnte es sich sowohl um die Mitte zwischen lokalen Siedlungen gehandelt haben, aber auch zwischen den Städten Zürich und Luzern.

Die zwei zusammengewachsenen Einhörner (englisch: unicorns) stammen aus dem 14. Jahrhundert, als Mettmenstetten noch zum Besitz der Edlen von Hünenberg gehörte, und eben diese Hünenberger führten in ihrem Wappenschild die Einhornköpfe.

Als erste Herren von Mettmenstetten taucht in der Geschichte die Familie Eschenbach aus dem Luzernischen auf, die sich später nach der Schnabelburg umbenannten. Nachdem sich aber Walter von Eschenbach an einem Attentat auf den König von Schwaben beteiligt hatte, wurde seine Familie aus Mettmenstetten verjagt. Danach übernahmen die Edlen von Hünenberg, die bis anhin bereits Untermettmenstetten verwaltet hatten, die Herrschaft über ganz Mettmenstetten. Doch bereits der nächsten Generation wuchs der Verwaltungsauftrag über den Kopf, der durch Misswirtschaft angefallene Schuldenberg zwang die Edelmänner 1398 zum Verkauf von Mettmenstetten an die Ritter von Seon, die schoben das Ganze an die Edlen von Landenberg weiter. Die nächsten Besitzer waren die Herren von Heidegg, der Ritter von Lunkhofen, kurz, die Mettmenstetter waren nur Spielball eines hektischen Landhandels.

Mit der Zeit geriet Mettmenstetten im mehr in den Einfluss der grossen Stadt Zürich. Dank der Unfähigkeit der Adligen, ihre Gebiete ökonomisch sinnvoll zu betreuen und dank geschickter Manipulationen erhöhte die Stadt kontinuierlich ihren Einfluss auf die umliegenden Landschaften. Der Zürcher Bürgermeister setzte in Mettmenstetten Verwalter und Richter ein und später konnte Zürich das hohe Gericht sogar ganz an sich ziehen.

Obwohl sich die Mettmenstetter vorerst weigerten, wurde im Herbst 1524 an einer Freiamtsgemeinde die Einführung der Reformation beschlossen, Katholiken wurden gezwungen, in die Innerschweiz auszuwandern. Zur Freude der Mettmenstetter wurden diese Konflikte vorerst mit dem berühmten Kappeler Milchsuppengelage beigelegt. Doch nach einer Proviantsperre der Zürcher marschierten die Innerschweizer Richtung Zürich und es kam bei Kappel am 11. Oktober 1531 zu einer Schlacht mit 600 Toten, aus der die Innerschweizer als Sieger hervorgingen.

Danach kehrte vorerst Ruhe ein in Mettmenstetten. 1535 wurde das Knonauer Amtsrecht - eine Gesetzessammlung von erb-, zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen eingesetzt. Doch bereits während des Dreissigjährigen Krieges (1618-48) kam es zu weiteren Konflikten. Allerorts wurden Befestigungen aus Angst vor Angriffen errichtet. Um das Geld dafür herbeizuschaffen wurden Sondersteuern zu verschiedenen Zwecken erhoben, Missernten verschärften die Not. Das Misstrauen gegenüber der Stadt wuchs und man beschloss an einer Volkversammlung, den Steuern erst nachzukommen, wenn den Bewohnern alle stadtbürgerlichen Rechte zugestanden würden. 1646 gab die Stadt nach und erliess die Gutssteuer. Nun verlangten die Ämtler sofort mehr und umgehend wurden das Oberamt von 3000 Soldaten besetzt und weitere Versammlungen verboten.

Nach der Französischen Revolution von 1789 musste man bald einmal feststellen, dass die Parole Liberté, Egalité, Fraternité" nicht halten konnte, was sie versprach. Die Franzosen hatten aus der Schweiz nach französischem Vorbild eine unteilbare helvetische Republik gemacht. Die Vielfalt verschwand und Verarmung machte sich breit. Zudem mussten die Schweizer den französischen Herren Hilfstruppen zu stellen. Erst als Napoleon 1803 der Schweiz erneut eine neue Verfassung gab, keimte wieder Hoffnung.

1830 hatte sich die kleine liberale Oberschicht im ganzen Kanton durchgesetzt, 1848 wurde die Bundesverfassung von den Stimmberechtigten angenommen. Wieder ging es steil bergauf, bis 1914 der erste Weltkrieg ausbrach. Die Mettmenstetter mussten sich mit Selbstversorgung das Überleben sichern. Konsumgüter wurden rationiert, ein grosser Teil des Viehs fiel der Fleischversorgung der Armee zum Opfer. Zudem brach im letzten Kriegsjahr eine in vielen Fällen tödlich verlaufende Grippe aus. Der Zweite Weltkrieg traf die Ämtler nicht mehr so heftig, nicht zuletzt dank der erfolgreichen Anbauschlacht des Ökonomen Dr. Traugott Wahlen, der jeden verfügbaren Fleck Erde landwirtschaftlich nutzen liess.

Seit 1928 existiert Mettmenstetten in seinen heutigen Grenzen. Heute verbindet eine S-Bahn das Dorf halbstündlich mit Zürich (35 min) und Zug (15 min). 3389 Einwohner zählt Mettmenstetten nun (1305 Haushaltungen), und trotz vielen Neubauten ist das Dorfbild weiterhin von wunderschönen Riegelhäusern aus der zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert geprägt.

Einwohnerentwicklung:
1650: 540
1750: 1030
1850: 1450
1870: 1408
1900: 1396
1920: 1503
1950: 1710
1970: 1866
1980: 2338
1990: 2874
1997: 3389
Gemeinderat (1994-1998) mit Parteien und Ressorts:

Hans Hefti (FDP/Präsidium, Finanzen), Franziska Sykora (SP/Fürsorge, Sozial- und Vormundschaftsabteilung), Hans Jud (CVP/Hochbau, Natur- und Heimatschutz), Franziska Pfenninger (FDP/Polizei, Militär, Spitex), Hans-Ulrich Schwarzenbach (parteilos/Gesundheit, Umweltschutz), Alfred Haab (SVP/Feuerwehr, Zivilschutz, Land- und Forstwirtschaft), Andreas Huber (parteilos/Tiefbau, Werkabteilung, Verkehr).

Gemeindeschreiber: Edi Gamma.

(Quelle: Mettmenstetten - Geschichte und Geschichten" von H. Huber-Hegglin und S. Diethelm)

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